Das sagen DJs, Musiker, Veranstalter und Club-Betreiber

Ärger über neue GEMA-Gebühren

Das sagen DJs, Musiker, Veranstalter und Club-Betreiber: Ärger über neue GEMA-Gebühren Das sagen DJs, Musiker, Veranstalter und Club-Betreiber: Ärger über neue GEMA-Gebühren Foto: iStock

Mit einer vereinfachten Tarifstruktur will die GEMA Abgaben für Clubs und Partys gerechter gestalten – doch die geplanten Änderungen bedeuten extreme Preissteigerungen für viele Gastronomen. Aus Sicht der Betreiber und Veranstalter ist damit eine ganze Branche bedroht: Was Musiker, DJs, Veranstalter und Clubbetreiber aus Düsseldorf und der Region von den neuen Tarifen halten und welche Konsequenzen sie befürchten, erfahrt ihr hier.

Hiphop aus Düsseldorf: Plattenpapzt - Tha Pontifex of Crunk Hiphop aus Düsseldorf Plattenpapzt - Tha Pontifex of Crunk Zum Artikel » Einer, der als Produzent eigentlich Freudensprünge aufgrund der Mehreinnahmen der GEMA machen müsste, ist der Plattenpapzt. Einerseits war er mit der Band „Die Fantastischen Vier“ sowie mit Solo-Projekten von Smudo und Thomas D. ausgiebig in den Charts vertreten und anderseits veranstaltet er im kleinen, undergroundigen Club Koyote Partys und sollte davon doppelt profitieren. Denn laut Angabe der GEMA, sieht die neue Tarifstruktur nicht nur eine Vereinfachung der Tariflandschaft vor, sie führt zu einer deutlichen Entlastung kleinerer Veranstaltungen. Die Ersparnis, so hat der Plattenpapzt kalkuliert, liegt bei Events im Derendorfer Club bei rund 10 Euro: „Bei anderen Veranstaltungen zahlen wir allerdings nun erheblich höhere Gebühren und als Produzent bekomme ich die Erhöhung der Gebühren leider auch nicht positiv zu spüren.“

Das Düsseldorfer Urgestein des deutschen Hiphops (Fresh Familee, „King of Rap“ feat. Kool Savas) kritisiert genau wie viele andere Kollegen den Verteilungsschlüssel der GEMA. Denn diese seien denkbar undurchsichtig - und nur „ordentliche Mitglieder“ können sie ändern. Laut Angabe des Plattenpapztes gibt es etwa 3000 GEMA-Mitglieder, auf die das zutreffen würde: „Obwohl dieser Klasse nur gerade mal fünf Prozent aller GEMA-Mitglieder angehören, erhalten sie den Löwenanteil der Ausschüttungen. Eine große Zahl aktiver Mitglieder erhält sogar überhaupt keine Tantiemen.“

Die Forderungen des Düsseldorfers sind eindeutig: „Eine offene Diskussion aller GEMA-Mitglieder zu einer fairen und transparenten Gestaltung der Urheber- und Verwertungsrechte, die sowohl die Interessen der Kunstschaffenden, Kunstverwerter und Konsumenten von Kunst berücksichtigt!“

Rechtliche Schritte gegen die GEMA?

Nachtresidenz - Düsseldorf Club Nachtresidenz Mehr Infos » Tom Rameil, Betriebsleiter der Nachtresidenz zieht auch rechtliche Schritte gegen die Pläne der GEMA in Betracht. „Kein Verbraucher würde es tolerieren, wenn der Preis eines Produkts plötzlich um das Sechs- bis Siebenfache erhöht werde“, argumentiert Rameil. „Die GEMA nutzt ihre Monopolstellung schamlos aus und versucht das hereinzuholen, was durch verlorene Lizenzen an anderer Stelle weggebrochen ist."

Der gleichen Meinung sind auch Manuel und Micky Markowitz – Betreiber des Clubs the attic an der Königsallee 1. the attic - Düsseldorf Club the attic Mehr Infos » „Diese Änderungen kommen ein Albtraum gleich, bedeuten massive Einschnitte für viele Clubs und für manchen bestimmt auch das Aus!“ Die Markowitz-Brüder hoffen auf den Gesetzgeber, der „dieser massiven Erhöhung Einhalt gebieten muss!“.

Der Düsseldorfer Musiker Markus Unzen, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „zooey", versucht die Ausschüttung der GEMA vereinfacht zu erklären: „Die GEMA unterscheidet zwischen E-Musik und U-Musik. Ein Beispiel: Ich spiele Chansons in einem kleinen Club, der dafür 100 Euro GEMA-Gebühren zahlen muss. Davon bekomme ich aber nur 20 bis 30 Euro an Tantiemen. Wo ist der Rest? Nach Abzug der Verwaltungskosten (etwa 15 Prozent) gehen rund 65 Prozent der Einnahmen an irgendeinen Kirchenchor oder ein Streichquartett, weil diese "ernste Musik" machen. Mir bleiben also nur 20 bis 30 Prozent, da ich nur"Unterhaltungsmusik" mache. Die GEMA erwirtschaftet zwar 70 bis 80 Prozent ihrer Einnahmen über U-Musik, schüttet aber nur 20 bis 30 Prozent an Unterhaltungsmusiker aus. Und da ich keinen Kirchenchor finanzieren möchte, bin ich ausgetreten!“

Gerechtere Verteilung der Gelder

Auch Mike Kucksdorf von Kunstgeschwister Events aus Mönchengladbach sieht Verbesserungsbedarf und hält Vorschläge parat: „Das Thema GEMA ist bei uns Veranstaltern und Club-Betreibern immer ein Punkt in der Planung, der Zweifel aufwirft. Vor allem auch, weil wir uns immer mehr mit dem Thema Label, Musik und den damit verbundenen Künstlern auseinandersetzen. Wer bekommt denn am Ende wirklich welche Gelder? Madonna, Jackson & Co.? Ja!“

 Kucksdorfs Vorschlag: „Gute Freunde aus den Niederlanden betreiben die Plattform www.djmonitor.com. Dies ist ein System zur Track-Erkennung. Sie schneiden auf Festivals, in Clubs oder Konzerten die Musikdarbietungen mit. Bis jetzt haben sie eine 80-prozentige Erkennungsrate der gespielten Stücke. Sie fertigen eine Playlist an und diese kann der Veranstalter dann an die BUMA (niederländische GEMA) schicken. Somit weiß der Veranstalter für was er zahlt und ebenfalls bekommt auch der richtige Künstler einen Teil vom Kuchen ab.“

Raum 38 - Mönchengladbach Club Raum 38 Mehr Infos » Für seinen kürzlich eröffnet Club in Mönchengladbach hat Kucksdorf bereits vorgerechnet: „Wir bewegen uns mit dem Raum 38 genau in den Berechnungen 100 bis 250 Quadratmeter und 5 bis 10 Euro Eintritt. Wenn wir auf eine Steigerung der Gebühren von 1400 Prozent kommen, werde ich wohl nebenbei wieder als Friseur arbeiten müssen ;) Bei unserem Hell & Dunkel Festival ist es ähnlich und wir können ab 2013 mit über 500 bis 800 Prozent Steigerung rechnen. Es muss ganz klar was passieren!“

Partyveranstalter (Groove a Libre) und DJ Oliver van Lin erwartet eine spannende Entwicklung der Musikszene, sollte das Vorhaben der GEMA umgesetzt werden: „ Einerseits wird es als Veranstalter noch schwieriger, erfolgreich Events durchzuführen, da die Mehrkosten nicht eins zu eins an den Gast weitergegeben werden können. Andererseits fände ich es spannend, wenn sich dadurch ein ‚Party-Untergrund‘ bilden sollte, ähnlich wie Ende der 1980er Jahre als Jugendliche in England notgedrungen in stillgelegten Fabrikhallen feierten und dadurch den Rave mit erfunden haben."

Und wie geht es weiter?

Bei Facebook kursiert bereits seit Bekanntgabe der neuen Tarife eine Online-Petition mit dem Namen „Gegen die Tarifreform 2013 - GEMA verliert Augenmaß“, die bisher fast 200.000 Mal unterzeichnet wurde. In einigen Städten wie Bremen haben sich 26 Club-Betreiber zusammen getan, um gemeinsam gegen die GEMA-Pläne vorzustoßen. Auch in Düsseldorf wäre ein solcher Zusammenschluss denkbar. Ob die Proteste und die Petition am Ende etwas bringt oder nicht, wird sich noch zeigen. Genug Zeit zum Handeln hat die GEMA, um eine Lösung zu finden, die alle Seiten einigermaßen zufrieden stimmt. Denn einen Bankrott der Club- Landschaft und Untergang der Party-Szene steht wohl auch nicht im Interesse der GEMA, da sie sich damit ihren eigenen Geldhahn zudrehen würde.

Info: Was ist die GEMA?

Die Abkürzung „GEMA“ steht für „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“. Sie vertritt in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 64.000 Mitgliedern (Komponisten, Textautoren und Musikverleger) sowie von über zwei Millionen Rechteinhabern aus aller Welt. Damit ist die GEMA weltweit eine der größten Autorengesellschaften für Werke der Musik. Die GEMA selbst macht keinen Gewinn. 2010 hat sie 863 Millionen eingesammelt und 735,9 Millionen Euro ausgeschüttet. Abgezogen wurden Gehälter, Verwaltungsaufwand etc.

Die neuen Tarife

Ab 2013 will die GEMA die Gebühren umstellen: Bislang gab es elf Einzeltarife, ab Januar 2013 soll nur noch zwischen Live-Musik und DJ-Musik unterschieden werden. Mit der neuen Preispolitik soll nach der Höhe der Eintrittsgelder, der Größe des Clubs und der Dauer der Veranstaltung berechnen. Für jeden Club ab mittlerer Größe bedeutet dies nach der neuen Gebührenordnung eine erheblich höhere Abgabe, zwischen 1000 und 1400 Prozent.

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