Kritik

Samy Deluxe: Perlen Vor Die Säue

Kritik: Samy Deluxe: Perlen Vor Die Säue Foto: Laut.de
Von Thomas Haas | zuletzt aktualisiert: 13.11.2013

Der meterhohe Abschminktücherberg wirft zwar noch einen leichten Schatten auf die neuen Machenschaften von Altmeister Samy Deluxe, dennoch sollte sich Rap-Deutschland gefasst machen. Denn: Der Wickeda MC ist wieder am Start, und das mit einer gehörigen Portion Testosteron und dem Männlichsten, was es im deutschsprachigen Sprechgesang je zu hören gab. Jedenfalls, wenn man ihn selbst fragt.

Nun geht's also wieder back 2 to the roots. Diese Ausrichtung klingt an für sich schon ziemlich bezeichnend, denn wenn ein Künstler sich wiederholt auf seine Anfangstage besinnen will, heißt das zugleich auch, dass man irgendwann gegen eine Wand gefahren ist.

"Bin auf einem Level, das ihr nicht erreicht / nie erreicht, denn ich bin so high wie ein Jet von Air Berlin". Wenn man dann auch schon in der sage und schreibe siebten Line des Mixtapes den mit Abstand langweiligsten und wohl auch meist verwendeten Vergleich zu hören bekommt, verspricht das leider nichts Gutes. Im Interview mit der Juice berichtete der mittlerweile 35-Jährige, dass er in produktiven Nächten bis zu drei Songs fertigstellt. Mitunter klingt's leider auch so.

Der Hamburger Rap-Veteran, der deutschen Hip Hop wir nur wenige nach ihm geprägt hat, brilliert trotz allem nach wie vor mit seinen abwechslungsreichen Stimmeinsätzen. Mal schnell, mal entspannt, manchmal aggressiv und dann wieder arrogant-herablassend - da gibt es wenig bis nichts auszusetzen, das war schon immer so und das bleibt hoffentlich auch so.

Hier und da kommen auch anständige Tracks heraus, beispielsweise wenn er sich an der Seite von Megaloh für dessen Part auf "Hände Hoch" revanchiert, oder wenn er auf dem "Gucci Intro" eine gewitzte Rick Ross-Hommage von der Leine lässt. Eines kann er allerdings am besten: auf über einer Stunde Spielzeit unfassbar viele belanglose Zeilen aneinanderzureihen.

"Meine Gedanken sind schneller als Lamborghini-Fahrer". Vielleicht ist das die Erklärung dafür, dass auf dem Mixtape kaum Tracks enthalten sind, die sich länger als drei Lines mit einem Thema beschäftigen, bevor Mr. Deluxe mit seinen Gedanken schon wieder ganz woanders ist – meistens bei sich selbst. Genau, bei dem Typ, "der die Rapszene dominiert wie 'ne Domina". Alle anderen können "still sein wie ein Bild, das an der Wand hängt".

Hin und Wieder flüchtet sich Samy aus dieser lyrischen Tristesse in Konzept-Tracks. "Story To Tell" erzählt von einem Einbruch in seinem Haus – glücklicherweise hatte der gute Herr Sorge aber noch sein Kostüm parat und konnte die Halunken verscheuchen. Spannung? Spannung? Spaaaaannung? Sorry, ich konnte sie leider nicht finden.

Den absoluten Tiefpunkt samt Fremdschäm-Faktor bildet allerdings "Oink Oink". Der Track dreht sich um eine Frau, ist jedoch ironisch zu verstehen, da Samy krampfhaft versucht, das Thema mit Wortspielen zum Motiv "Schwein" zu ironisieren. Nicht ernst gemeint hin oder her, das ist schlichtweg scheiße und könnte auch von einem Unterstufenschüler geschrieben worden sein. Der Humor ist dazu "platt wie 'ne – Platte".

Wieso Samy Quantität über Qualität stellt, bleibt wohl sein Geheimnis. Ganz sicher wäre er gut beraten, seine "paar Millionen Gigabyte an Texten" zu löschen und sich für diese etwas mehr Zeit zu nehmen. "Bin auf einem Level, das ihr nicht erreicht/ nie erreicht, denn ich bin so high wie ein Jet von Air Berlin". Wenn dieses Zitat tatsächlich zutreffen soll, kann man am Himmel ab sofort keine Sterne mehr, sondern nur noch Rapper sehen.

Titel: Perlen Vor Die Säue
Interpret: Samy Deluxe
Label: Deluxe Records/Universal
Genre: HipHop/Rap | Deutsche Texte
Veröffentlichung: 01.11.2013
Songs: Gucci Intro
D.E.L.U.X.E.
Perlen Vor Die Säue
Pandemonium
Exodus
Retro Geht So..
Uhrgedreht
Lokickhihatclap
Stalker
Hab Gehört 2013
Testosteron
Doitschrap Festival
Epos
B.I.L.D.S.P.R.A.C.H.E.
Oink Oink
Licht Aus
Story To Tell
Hypochondria
Dieter
Dschungelbuch
Erste Liebe
Samy Anthem

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