"Mehr Zeit fürs Private"

Gourmet-Koch gibt Stern zurück

"Mehr Zeit fürs Private": Gourmet-Koch gibt Stern zurück "Mehr Zeit fürs Private": Gourmet-Koch gibt Stern zurück Foto: Anne Orthen
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Marcel Schiefer will sein Restaurant "Schorn" in Unterbilk schließen und sich mehr Zeit fürs Private nehmen.

Wenn nächste Woche Donnerstag der Michelin wieder seine Sterne über ganz Deutschland und somit auch über Düsseldorf verteilt, dann wird einer nicht mehr dabei sein: Marcel Schiefer. Er hat bereits vor einigen Wochen an den Verlag des Guide Michelin geschrieben, dass er seinen Stern zurückgibt und zum Jahresende, also zum 31. Dezember, das Restaurant Schorn an der Martinstraße in Unterbilk schließt.

"Dafür haben wir keine Familie gegründet"

Der Entschluss sei ihm nicht leicht gefallen, sagt er. Aber ihm sei immer weniger Zeit für sein Privatleben geblieben, begründet er seine Entscheidung. Seinen zweieinhalbjährigen Sohn Vincent sehe er höchstens eine halbe Stunde pro Tag - und oft nur dann, wenn seine Frau Anne ihn ins Restaurant vorbeibringe. "Dafür haben wir keine Familie gegründet", sagt Schiefer. Schon morgens früh beginnt sein Arbeitstag mit dem Einkaufen, Planen, Menus schreiben. Dann steht er in der Küche - oft bis spät in die Nacht. Außerdem hat er vergangenes Jahr ein weiteres Restaurant eröffnet: das Bruderhaus in Hamm mit gutbürgerlicher Küche. Auf dieses Restaurant will er sich künftig konzentrieren. Darüber hinaus hat er weitere Pläne für außergewöhnliche Events, Gourmet-Abende und Kochkurse sowie fürs Catering. "Da kann ich mir die Zeit besser einteilen", sagt er.

Marcel Schiefer ist nicht der erste Koch, der seinen Stern und weitere Auszeichnungen zurückgegeben hat. Peter Nöthel (vormals Hummerstübchen) wollte den Stress nach Jahren nicht mehr mitmachen. Und auch Christian Penzhorn, der sowohl für das Victorian als auch für das ehemalige Monkey's einen Michelin-Stern erkochte. Auch Penzhorn wollte nach der Geburt seines Sohnes mehr für die Familie da sein. Heute führt er das "Penzhorn" in Ratingen Lintorf.

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Einen Stern zu bekommen, ist leicht, heißt es. Einen zu behalten, ist wesentlich schwieriger. Denn die Erwartungen der Gäste wird immer größer. Die meisten Düsseldorfer Sterneköche haben nur eine kleine Küche und oft nur noch einen Souschef und einen Spüler - sind also Alleinunterhalter. Das ist sehr arbeitsintensiv.

Das kann auch Marcel Schiefer bestätigen. Der heute 28-Jährige war der jüngste Sternekoch Deutschlands, als ihm 2012 der Guide Michelin für seine Kochkunst auszeichnete. Schon drei Jahre zuvor hatte er mit seiner damaligen Lebengefährtin und heutigen Ehefrau Anne Schorn-Schiefer das Restaurant Schorn übernommen - ein Familienbetrieb, in dem zuvor sein Schwiegervater Franz-Josef Schorn kochte. Schiefer hat als 22-Jähriger in dem Lokal an der Martinstraße neue Akzente gesetzt. Seine Ausbildung absolvierte er übrigens bei Sternekoch Jean-Claude Bourgueil.

Quelle: RP